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Feste Burgen, helles, weites Land: Luther und die Deutschen

von Pfarrer Carsten Fleckenstein,
Evangelische Kirchengemeinde Ober-Roden

„Ein feste Burg ist unser Gott“, so hat es Martin Luther 1529 in einem Lied gedichtet. Es wurde so etwas wie das Lied der Deutschen, jedenfalls der deutschen Reformation. Die biblische Textgrundlage dafür hatte sich Luther vom 46. Psalm geborgt – aber er hatte dabei sicher auch seinen Aufenthalt auf der Wartburg bei Eisenach 1521/22 im Sinn. Als „Junker Jörg“ hatte er dort unter dem Schutz von Friedrich dem Weisen Zuflucht gefunden vor den Verfolgungen durch Kaiser und Papst. In der Sicherheit der Burgmauern konnte er die Reformation vorantreiben und die Bibel in die deutsche Sprache übersetzen. Es war so etwas wie die Geburtsstunde der deutschen Sprache, so wie wir sie heute kennen.

Vor zweihundert Jahren, anlässlich des 300. Jubiläums der Reformation, trafen sich deutsche Studenten und andere, organisiert in Burschenschaften, auf der Wartburg, um sich nach den erfolgreichen Befreiungskriegen gegen Napoleon für eine demokratische Einigung Deutschlands gegen die Vielstaaterei in unzähligen deutschen Fürstentümern einzusetzen. Es war so etwas wie die – zumindest eine – Geburtsstunde Deutschlands als politische Größe, so wie wir es heute kennen.

In diesem Jahr 2017, zum 500. Jubiläum der Reformation, gibt es drei große Ausstellungen in Berlin, Wittenberg und auf der Wartburg unter dem gemeinsamen Titel „Die volle Wucht der Reformation. 3XHammer“. Über die Sinnhaftigkeit dieses Titels kann man sich sicher streiten. Kein Zufall ist es allerdings, dass die Ausstellung auf der Wartburg den Titel „Luther und die Deutschen“ trägt. Die Verbindung von Ausstellungsort und Motto der Ausstellung hätte kaum passender gewählt werden können.

Luther hat sich zeit seines Lebens an seinem deutschen Volk abgearbeitet – schon allein daraus spricht meines Erachtens eine tiefe Liebe zu seinem Volk und Land. Nichtsdestoweniger tut man ihm aber sicher unrecht, wenn man ihn für rückwärtsgewandte und sich abgrenzende Deutschtümelei in Anspruch nimmt, wie dies etwa in der Zeit des Nationalsozialismus oder unter anderen Vorzeichen in der ehemaligen DDR geschah und heute in manchen nationalistischen Kreisen wieder geschieht.

Denn Luther hatte ein durchaus ambivalentes Verhältnis zu „seinen“ Deutschen gehabt. Dabei denke ich gar nicht so sehr an gewohnt deftige Aussprüche von ihm („Die Böhmen fressen, die Wenden stehlen, die Deutschen saufen getrost.“). Es ist vor allem auch eine gewisse Enttäuschung bei ihm vorhanden, dass seine reformatorischen Ideen in Deutschland nicht den gewünschten umfassenden Erfolg hatten: „Wohlan, ihr lieben Deutschen, ich hab`s euch genug gesagt, ihr habt euren Propheten gehört.“

Gegen eine deutsche Engführung der Reformation hat Luther immer in ökumenischer Weite gedacht. So wusste er sich mit seinen Anliegen ganz in der Tradition des tschechischen Reformators Jan Hus 100 Jahre vor ihm. Mit der Reformation in der Schweiz stand er in regem Austausch. Es ist gut, dass es neben der Ausstellung auf der Wartburg „Luther und die Deutschen“ auch die in Berlin mit dem Titel „Der Luther-Effekt“ gibt. Dort werden die weltweiten Auswirkungen der Reformation beleuchtet und am Beispiel der Länder Schweden, Tansania, USA und Südkorea die verschiedenen Entwicklungen dokumentiert, die die Reformation in den unterschiedlichsten Ländern und Kulturkreisen genommen hat.

Luther hätte wohl seine Freude daran gehabt. Denn in Zeiten der Gefahr und Bedrängnis ist es bestimmt gut, sich auf die Sicherheit einer Burg verlassen zu können – ansonsten darf man sich mutig hinauswagen: „Die Tore stehen offen, das Land ist hell und weit.“

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