Dekanat Rodgau

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Andreas KleinIm Gespräch mit indischen PfarrernPfarrer Axel Mittelstädt bei einer Fortbildung zum interreligiösen Dialog mit indischen Pfarrern.

Das eigene festhalten, das andere respektieren

von Pfarrer Axel Mittelstädt,
Evangelische Emmausgemeinde Jügesheim

Monatsspruch Mai 2017:
»Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt.«
(Brief des Paulus an die Kolosser, Kapitel 4, Vers 6) 

500 Jahre Reformation. Die Gelegenheit, sich mal intensiver mit Martin Luther, den anderen Reformatoren und auch den Frauen auseinanderzusetzen, die die Reformation vorangebracht haben. Luther ragt heraus, weil er sprachlich gewandt war, dem Volk aufs Maul schauen konnte und mit seiner Übersetzung der Bibel den Grundstein dafür gelegt hat, dass die deutsche Sprache sich vereinheitlicht hat.

Auf ihn passt der Monatsspruch für den Monat Mai aus dem Kolosserbrief: Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt.

Freundlich war seine Rede, weil er in seinen Predigten und Gedanken viele gute Bilder fand, um die Freundlichkeit Gottes den Menschen nahe zu bringen. Er sprach von der Liebe Gottes, die wie ein Backofen ist oder von dem Kind, in dem wir Gott auf frischer Tat ertappen.

Und mit Salz war sein Reden gewürzt, weil er keinem Streit, keiner Diskussion aus dem Weg ging. Auch seine Tischreden und die vielen Sprichwörter zeugen von seiner anregenden Wortgewalt, z. B. "Immer gerade drauf los macht einen guten Reiter, aber bei diesem Immer-gerade-Drauflos rennt man sich leicht den Kopf ein."

Auf der anderen Seite aber passt der Wochenspruch auch nicht auf ihn. Denn er war eine Kämpfernatur und kämpfte mit jedem, der nicht seiner Meinung war. So wurde die katholische Kirche zur Hure Babylons, der linke Flügel der Reformation als Irrweg abgestempelt und die Juden als verstockt verworfen. Es gab nur noch Schwarz und Weiß, die Grautöne dazwischen nahm er nicht mehr wahr. Seine Rede war an diesen Punkten unfreundlich und mit Säure vergiftet. Wie schmerzt es, solche Worte von ihm zu lesen wie: "Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen."

Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt. Dies habe ich erlebt auf meiner Fortbildung zum Thema "Interreligiöser Dialog" in Indien. Menschen aus anderen Religionen sind mir begegnet, die freundlich und dialogbereit gesprochen haben. Sie haben mir von ihrem Glauben erzählt, von dem, was sie trägt im Leben und im Sterben. Aber wir haben auch miteinander diskutiert und um das kostbare Salz der Wahrheit gerungen.

Mich haben diese Begegnungen darin bestärkt, im Dialog mit Menschen anderen Glaubens beides zusammenzuhalten: An dem eigenen Wahrheitsanspruch festzuhalten und gleichzeitig den und die andere in ihrem Glauben zu achten. Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt. Dieser Satz gilt nicht nur für den Spezialfall im Kontakt mit anderen Religionen. Ihn gilt es täglich zu praktizieren im Umgang mit dem und der, die ganz anders sind als ich. Denn nur so können wir in Frieden zusammenleben.

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