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Wozu Sie nicht in die Kirche gehen sollten

von Pfarrer Ralf Feilen, Evangelisches Dekanat Rodgau


Monatsspruch Oktober 2017:
„Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ Lukasevangelium, Kapitel  15, Vers 10

„Man weiß ja, was alles in die Kirche geht“, denkt sich Therese Krumbholz, nachdem sie im Wiener Stefansdom vor dem Abendmahlsbild gesessen hat. „Lauter Verbrecher!“ Im Altarbild hat sie in Jesus ihren angehimmelten Möbelverkäufer Grob gesehen. Ihr von ihr verachteter Ehemann, Professor Kien, hat sie dagegen im Judas entdeckt. Solche und andere Verdrehungen schildert Elias Canetti in seinem 1935 erschienenen Jahrhundertroman „Die Blendung“. Die vermeintlich fromme Therese, die gerade eine Million geerbt hat, geht in den Dom, um sich selbst groß zu fühlen. Sie sieht in dem Abendmahlsbild das, was sie sehen möchte. Sich selbst sieht sie in der Taube, die über Jesus schwebt. Von sich selbst ist Therese so ganz eingenommen, geblendet. „Lauter Verbrecher!“ empört sie sich. Sie ist unfähig zu sehen, was sie selbst anrichtet. Sündenbewusstsein? Von wegen!

„Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ Das sagt Jesus am Ende der Gleichnisse vom verlorenen Schaf und vom verlorenen Groschen. Ein wiedergefundenes Schaf entfacht mehr Freude als 99 Schafe, die brav auf der Weide grasen. Ein Sünder, der sein Leben ändert und umkehrt, macht mehr Freude als 99 Gerechte, die nicht umkehren müssen.

Sich selbst als Sünder zu sehen, setzt Mut und Selbsterkenntnis voraus. Auch die Bereitschaft, sich von Gott so ansehen zu lassen, wie wir sind. Heutzutage sprechen wir nicht mehr gerne von uns als Sünder. Martin Luther war da lockerer. Er sagte „wir sind Sünder allzumal.“ Wir sind Menschen mit Fehlern und Schwächen. Da hilft die perfekteste Selbstoptimierung nicht. Im Gegenteil: der Versuch, perfekt sein zu wollen, bringt uns schon auf die falsche Spur.

Wir sind Sünder allzumal! Und die Engel Gottes, ja Gott selbst freut sich über jeden, der das sieht und versucht, es besser zu machen, ohne perfekt sein zu wollen.

Das singen wir im Gottesdienst bald nach dem Sündenbekenntnis: “Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen!“ Ursprünglich war dieses Lob ein Jubel, der uns über uns selbst hinaushebt. Ein Himmels-Schrei, der der Freude im Himmel über unsere Umkehr entspricht.

„Man weiß ja, was alles in die Kirche geht.“ Genau: Menschen, die eine Sehnsucht haben, so gesehen und akzeptiert zu werden, wie sie sind. Gottes geliebte Sünder und Kinder!

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