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Kirchenkreis und Kino zeigten preisgekrönte Korea-Doku:

„Eigentlich haben wir alle die gleichen Wünsche und Träume“

Kundschafter FilmproduktionErst mit dem fünften Besuch in Nordkorea begannen für das Filmteam von "Meine Brüder und Schwestern im Norden" dei tatsächluichen Dreharbeiten.Erst mit dem fünften Besuch in Nordkorea begannen für das Filmteam von "Meine Brüder und Schwestern im Norden" dei tatsächluichen Dreharbeiten.

Selten bekommen Menschen Eindrücke aus erster Hand über Nordkorea, diesen letzten hinter dem Eisernen Vorhang der Weltgeschichte abgeschotteten Staat. Gespannt waren dementsprechend die gut 40 Kinogänger vor der Vorführung der Dokumentation „Meine Brüder und Schwestern im Norden“ der bekannten Regisseurin Sung-Hyung Cho aus dem Jahr 2016, Gewinner des Lichterfilmfestes Frankfurt und nominiert für den Hessischen Filmpreis.

Das Evangelische Dekanat Rodgau zeigte die Doku über ein hermetisch abgeschottetes Land in Kooperation mit den Saalbau-Lichtspielen Jügesheim und im Rahmen seiner internationalen Partnerschaft mit der Presbyterianischen Kirche in der Republik Korea. „Für unsere Partner in Gwangju sind die unterbrochene Beziehung zu den Verwandten im Norden und die Sehnsucht nach Wiedervereinigung Herzensthemen - und damit sind sie auch unsere Themen“, sagte dazu die Ökumenepfarrerin des Dekanats, Sandra Scholz.

"Ich bin jetzt eine Gesamtkoreanerin."

Cho nimmt ihre Zuschauer mit auf die Reise in ein unbekanntes Land, das dem Zuschauer über die Geschichten der im Film porträtierten Menschen und die Bilder von Städten und Landschaften schnell vertraut wird. Erst bei seiner fünften Reise begann das Filmteam mit den tatsächlichen Dreharbeiten. Die Regisseurin gab für dieses Projekt gar ihre südkoreanische Staatsbürgerschaft auf und nahm die deutsche an. Als Südkoreanerin hätte sie nach dem Besuch im Norden befürchten müssen, bei einer neuen Einreise nach Südkorea verhaftet zu werden. „Am Anfang war es schwer, aber jetzt ist es wunderbar“, sagte sie dazu beim Nachgespräch mit den Zuschauern, „denn ich bin jetzt eine Gesamtkoreanerin.“ 

"Nur das Schöne, nicht das Hässliche wollen die Leute sehen."

Ganz ähnlich wie in dem Film „Full Metal Village“ über die Einwohner des schleswig-holsteinischen Dorfes Wacken, der sie 2006 auch  international bekannt gemacht hat, gelingt es Sung-Hyung Cho in „Meine Brüder und Schwestern im Norden“, eine solche Nähe zwischen den Filmprotagonisten und dem Publikum aufzubauen, als wäre man selbst dabei, als führe man mit ihr durch die Orte und säße mit den Menschen selbst am Tisch: Eine junge Offizierin zeigt Cho das Geburtshaus von Kim Jong-Il, ein junger Mann die Anlage eines großen Schwimmbads, für dessen Technik er Sorge trägt. Ein Bauer in einem Kollektiv erklärt die Funktionsweise der Methangasanlage und Solarpaneelen in seinem Haus. Stets ist beides sichtbar: der Stolz auf das eigene Land und Volk, auch auf seinen Führer; zugleich aber in den Zwischentönen auch die eigenen Träume – und die Herausforderung, manchmal mit wenig auskommen zu müssen. Auch das menschlich Entlarvende bleibt den Zuschauerinnen und Zuschauern dabei nicht fremd: „Nur das Schöne, nicht das Hässliche“, so ein Maler im Film, „wollen doch die Leute sehen“.

„Eigentlich“, sagt eine Frau darauf beim Nachgespräch mit der Regisseurin, „zeigt mir ihr Film, dass alle Menschen auf der Welt die gleichen Wünsche und Träume haben“. Und genau das ist es vielleicht vor allem, was Sung-Hyung Cho mit ihrem Film zeigen will. „Als Kind“, so sagt sie „habe ich in der Schule gelernt, dass die Nordkoreaner eine rote Haut und Hörner haben“.

Die südkoreanischen Politiker verfolgen seit einigen Jahren wieder neu die Tendenz, Nordkorea in seiner Gesamtheit zu einer großen Gefahrenquelle zu erklären. Phasen der Annäherung beider Staaten während der so genannten Sonnenscheinpolitik um das Jahr 2000 wurden sowohl von Südkorea, als auch von der amerikanischen Regierung, die im Süden aufgrund des fehlenden Friedensvertrages noch immer die Militärhoheit hat, rigoros auf Eis gelegt.

Das eigene Bild von Korea muss jede*r selbst finden

„Dabei sind wir uns doch eigentlich so ähnlich“,  betont Cho. Auch 70 Jahre nach der Teilung pflegen Koreaner und Koreanerinnen im Süden wie im Norden noch immer fast exakt die gleichen Traditionen. Die Sehnsucht nach Versöhnung und Wiedervereinigung drücken die Protagonisten des Films in klaren Worten aus. „Beeindruckend finde ich, dass Sung-Hyung Cho es dabei meisterlich verstanden hat, sie einfach in ihrem Denken und Leben zu akzeptieren und ohne Wertung ihre Geschichten erzählen zu lassen“, sagt dazu Pfarrerin Sandra Scholz.  Der Film unterlag der Zensur, und die Drehorte wurden von staatlicher Seite ausgewählt. Dennoch: Was beim Betrachten an eigenen Bildern entsteht, ist unweigerlich herausfordernd, denn diese Menschen und ihre Geschichten, die großartigen Landschaftsaufnahmen, sie passen nicht zu den Schwarzweißbildern eines „Schurkenstaates“ in unseren Köpfen.

Die Wahrheit liegt, wie Cho selbst sagt, wohl in einem dritten Bild, zu dem jeder selber finden muss. Ein nächstes Filmprojekt dafür ist schon in Arbeit: eine Dokumentation über eine Inklusionsschule für Taube, Blinde und Gesunde in Nordkorea, aufgebaut von einem Berliner Gehörlosen.

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